Siegel der Bruderschaft
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Häufig gestellte Fragen zum Thema:
Geschichte der Loge

Seit wann existiert die Fraternitas Saturni?

Die Fraternitas Saturni wurde 1928 von Gregor A. Gregorius (Eugen Grosche) gegründet. Sie ging damals aus dem Berliner Orient der Pansophischen Loge hervor, nachdem in dieser Meinungsverschiedenheiten über die Rolle Aleister Crowleys und die Bedeutung des von ihm verkündeten Gesetzes von Thelema entstanden waren. Die Fraternitas Saturni übernahm zwar Crowleys Formulierung des Gesetzes: "Tue was Du willst, soll sein das ganze Gesetz. Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen", änderte es aber ab in "Tue was Du willst, ist das ganze Gesetz.. Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen" und versah es mit dem eigenen Zusatz: "Mitleidlose Liebe". Darüber hinaus lehnte die Fraternitas Saturni Crowleys Führungsanspruch ab und blieb weltanschaulich wie organisatorisch unabhängig.

Im Jahre 1933 wurde die Loge zusammen mit allen anderen Logen und Gesellschaften von den Nazis verboten; die Mitglieder wurden teilweise verfolgt. Grosche setzte sich in die Schweiz und später nach Italien ab, wurde gegen Ende des Krieges verhaftet und verbrachte einige Monate in Haft.

Nach Kriegsende nahm Grosche die Kontakte zu den verstreuten Brüdern und Schwestern wieder auf und setzte die Logenarbeit fort. Viele bekannte Esoteriker der damaligen Zeit waren Mitglieder der Fraternitas Saturni. Im Mitgliedsregister finden wir unter anderem Namen wie Quintscher, Waltharius und Spiesberger.


Welche Bedeutung hat die Logengeschichte für die Fraternitas Saturni?

Wir stehen in einer Tradition und wir stehen zu unserer Herkunft. Wir sehen Logengeschichte als die Geschichte einer fortschreitenden Entwicklung. Wir kleben weder an den rühmlichen noch an den unrühmlichen Aspekten unserer Geschichte, und obgleich die Fraternitas Saturni in Medien immer wieder verleumdet wurde, halten wir an unserem Namen, der uns schon viele Schwierigkeiten eingebracht hat, und unserer Herkunft fest, denn die Fraternitas Saturni wurde nicht mit dem Ziel gegründet, sich glatt einzufügen und die Position der Mehrheit zu vertreten. In diesem Sinne ist die bloße Existenz der Fraternitas Saturni ein Zeichen dafür, dass man nicht unbedingt bereit sein muss, sich den Sedierungen, die diese Welt zu bieten hat, zu unterwerfen. Dies ist noch keine Garantie für Erfolg. Aber die Existenz der Fraternitas Saturni seit nunmehr über 75 Jahren, zeigt zumindest eine einigermaßen ungebrochene Tradition des Bemühens. Dies lohnt es sich fortzusetzen.


Die Fraternitas Saturni wurde in den 20er Jahren gegründet, in einer Zeit, die auch in spirituellen Dingen recht experimentierfreudig war und auch in Deutschland bereits eine recht vielfältige sagen wir mal "magische Kultur" aufwies. Bestehen da nicht Bezüge?

Sicherlich. Doch glücklicherweise haben die Gründer der Fraternitas Saturni sich durch eine klare Linie aus dem komplexen Geflecht aus Gruppen, Grüppchen und Kleinstsekten herausgezogen, das damals die okkulte oder spirituelle Welt ausfüllte. Nehmen wir einmal die Pansophische Loge, aus deren Reihe viele der ersten Generation der Fraternitas Saturni hervorgingen. Das war eine komplexe, aber vor allem unübersichtliche eklektische Mischung aus rosenkreuzerischen, theosophischen und okkulten Ideen und Praktiken, die anscheinend niemand wirklich vollkommen verstehen konnte außer dem Großmeister, der diese Mischung beständig erweiterte und gleichzeitig noch Anspruch auf viele andere Titel und Namen erhob. Setzen Sie hier in Gegensatz die eigentlich einfache, aber durchdringende Idee der Saturn Gnosis, und es wird vielleicht verständlich, warum die Fraternitas Saturni von allen Gruppen, die damals existierten, überlebt hat, selbst trotz der Nazizeit. Das meiste Material, das damals von anderen Gruppierungen veröffentlicht wurde, ist heutzutage kaum noch lesbar. Gregorius kann man selbst heute noch mit Gewinn studieren, auch wenn sich viele Ideen und Angänge inzwischen weiterentwickelt haben.


Aus der Geschichte der Loge kann man diese alten Sachen aber doch nicht heraushalten?

Muss man auch nicht. Fragt sich nur, wie man damit umgeht. In der Fraternitas Saturni gibt es immer noch Elemente, die in der Gründerzeit übernommen wurden und immer noch sehr wichtig sind. Aber nicht in der Art von Flickwerk, die den Eklektizismus auszeichnet. Ideen muss man sich zu eigen machen, das heißt man muss vor allem mit ihnen arbeiten. Die Fraternitas Saturni hat sich ja auch das Gesetz von Thelema zu eigen gemacht, ohne gleich sklavisch Crowleys Ausführungen zu folgen. Wir arbeiten sogar mit den Prinzipien der Sexualmagie, die noch aus dem Wissen der Pansophischen Loge stammen. Das ist eigentlich das Wissen des OTO (Ordo Templi Orientis) vor Crowley, dessen deutscher Großmeister damals auch Großmeister der Pansophischen Loge war. Aber weil wir das Wissen des OTO besitzen, sind wir noch lange nicht der OTO. Wir besitzen auch buddhistisches Wissen, deswegen sind wir noch lange keine Lamas.


Welche Rolle spielen aber dann die Lehren Aleister Crowleys in der Fraternitas Saturni?

Wie Sie gesehen haben, hat unsere Auffassung von Magie nicht mehr viel mit seiner zu tun. Trotzdem machen wir natürlich unsere Hausaufgaben. Wenn man sich mit Magie befasst, kommt man auch an Aleister Crowley nicht vorbei. Dafür war sein Einfluss und sein Werk viel zu groß. Dies heißt jedoch nicht, dass man seinen Ansichten zustimmen muss. In der Tat gibt es schon in Grundaussagen erhebliche Differenzen. Nehmen wir beispielsweise Crowleys Satz aus dem Liber Al (dem "Buch des Gesetzes") "Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern". Aus unserer Sicht ist das absolut inakzeptabel. Wenn ich diesen Satz höre, bin ich immer versucht zu sagen: "Ja leider!"


Wieso können Sie diesem Satz nicht zustimmen? Immerhin drückt es doch Crowleys Konzept des Willens aus. Er war der Meinung, dass jeder nur seinem Willen zu folgen brauche, um dann wie ein Stern, ohne Kollision mit anderen, seine Bahn zu ziehen.

Was sollte schon gut daran sein, ein Stern zu sein? Natürlich hat Licht und Glanz den Menschen schon immer angezogen und verzaubert, doch das sollte uns nicht blenden. Sterne sind Sonnen und Sonnen leuchten, weil sie sich selbst verzehren. Man könnte auch sagen, dass sie ihre eigene Substanz verheizen und dann verlöschen. Ist das nicht eine gute Beschreibung für das, was der Mensch, ein zweibeiniger Stoffwechsler, tatsächlich tut? Dazu muss ich ihn doch nicht erst auffordern! Wäre es nicht besser, damit aufzuhören? Und dann jene mysteriösen Bahnen, denen die Sterne folgen. Physikalisch resultieren sie aus der Bewegungsenergie und den Gravitationspotentialen anderer Massen im Raum. Ich nenne das fremdbestimmt und nichts Gutes.

Ein Stern an sich ist hier genauso Teil der kausal verfügten Wirklichkeit wie alles andere, also ebenfalls fremdbestimmt. Als Vorbild taugt er wenig. Interessanter wird es dann vielleicht, wenn man dieses Bild in den Kontext stellt, das es verdient, nämlich die altägyptische Religion, in der besondere Seelen zu Sternen wurden - und dies nicht irgendwelche Sterne, sondern die so genannten "Unvergänglichen" in der Nähe des Nordpols, die aufgrund der Ekliptik niemals unter den Horizont geraten und somit dem solaren Zyklus von Tod und Wiedergeburt entzogen sind. Ziehen Sie daraus Ihre eigenen Schlüsse.

Leider erklärt Crowley nie, wo "Thelema", der göttliche oder wahre Wille, eigentlich herkommt. Da Thelema etwas ist, was es zu entdecken gilt, muss es schon vorhanden sein, also vorgegeben. Da spielt es dann schon keine Rolle mehr, von wem Thelema vorgegeben wurde. Vorgegeben heißt fremdbestimmt und hat mit Freiheit nichts zu tun.

Ein weiterer wesentlicher Kritikpunkt, auf den sich vieles zurückführen lässt, ist, dass Crowley es sehr einfach gemacht hat, Thelema als organisierte Religion zu missbrauchen, wenn nur genug Böswilligkeit vorhanden wäre. Es gibt ein Gesetz, eine Offenbarung, eine "Reliquie" (Stele der Offenbarung), Propheten, Priester und Anweisungen für die Verehrung der Gottheiten. Nach meiner persönlichen Auffassung geht es heute darum, eine Form der Magie zu entwickeln, die frei von derartigem ist. Wir leben nicht mehr im Mittelalter und schon gar nicht 2000 Jahre vor Christus. Mit dem Nachäffen alter Kulte in neuem Gewand lässt sich nicht viel erreichen, selbst dann nicht, wenn man es mit UFOs, Quantenmechanik und Chaostheorie aufpeppt. Das wusste selbst Crowley und versuchte nach seinen Möglichkeiten die Magie zu erneuern. Nicht umsonst heißt es bei ihm "die Rituale der alten Zeit sind schwarz."

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